NÜRNBERG 6. Oktober 1459 - 29. Juli 1507 LISSABON
Das
Leben Martin Behaims
Schule in Nürnberg
und Lehre in Antwerpen
Seereise nach Afrika
und Rückkehr nach Portugal
Erbschaft in Nürnberg
Behaims letzte Lebensjahre
Der Globus
Herstellung des Globus
Der westliche Seeweg
nach Indien und der Behaim-Globus
Die
Legende Martin Behaim
Das Behaim-Bild
bei seinen Nürnberger Zeitgenossen
Behaim - Schüler
des berühmten Mathematikers Regiomontan?
Behaim - Entdecker der
Kongomündung?
Behaim -
Ritter des Christusordens und Mitglied der Junta do Mathematicos?
Das Behaim-Bild im 19. Jahrhundert
Das Behaim-Bild im Nationalsozialismus
Das aktuelle Behaim-Bild
Das
Leben Martin Behaims
Die aus Böhmen stammende Familie Behaim gehörte in Nürnberg
zum Patriziat, die Familienmitglieder bekleideten Ämter der Stadt
und verdienten ihren Lebensunterhalt durch Handel. Martin Behaim, geboren
am 6.10.1459, war das älteste Kind aus der Ehe des Martin Behaim und
seiner Frau Agnes Schopper. Damals bewohnte die Familie das große
Haus am Hauptmarkt gegenüber der Frauenkirche am Schönen Brunnen.
Vor diesem Haus, auf einem Holzgerüst vor der Fassade, wurden zwischen
1424 und 1525 jährlich am zweiten Freitag nach Ostern die Reichskleinodien
und Reichsreliquien vorgezeigt, die sogenannte Heiltumsweisung. (Das Haus
wurde 1945 zerstört.)
Schule in Nürnberg
und Lehre in Antwerpen
Behaim erhielt als Kind entweder eine Ausbildung in einer der Grundschulen,
die den jeweiligen Pfarrkirchen zugeordnet und stark religiös geprägt
waren, oder er hatte einen eigenen Privatlehrer zusammen mit anderen Jungen
aus dem Patriziat. Gleichzeitig wird er auch Einblicke in das elterliche
Geschäft bekommen haben, sozusagen als Vorbereitung auf seine spätere
Berufswelt. Ob er die damalige internationale Sprache, das Latein, lernte,
weiß man nicht, denn es ist nicht eine einzige lateinische Zeile
aus seiner Hand überliefert. Nach der Schulzeit wurde er 1476, also
17jährig, zur praktischen Berufsausbildung in die Niederlande zu einem
Tuchkaufmann geschickt. Danach trat er eine Lehrstelle in Antwerpen bei
einem Nürnberger Kaufmann an, wo er auch Handel auf eigene Rechnung
betreiben durfte. 1483 hielt er sich nachweislich in Nürnberg auf,
1484 ging er wieder nach Antwerpen.
Seereise nach Afrika
und Rückkehr nach Portugal
Vom 4. Mai 1489 liegt ein Schuldbrief Behaims an den Nürnberger
Kaufmann Schlewitzer vor, (er hatte von den Kaufleuten Hirschvogel und
Schlewitzer Handelsgut übernommen), worin er mitteilt, er zöge
in ein fernes Land, und im Falle seines Todes solle Schlewitzer die Schuldsumme
aus seinem Erbgut erhalten. Diese Reise muß jene Seereise an die
afrikanische Westküste gewesen sein, die auch auf dem Globus vermerkt
ist.
Nach der Rückkehr von dieser Reise ist er am 18. Februar 1485
vom portugiesischen König zum Ritter geschlagen worden. Zwischen 1485
und 1489 hat Behaim geheiratet, es war eine Einheirat in den hoffähigen
portugiesischen Adel. Seine Frau Joanna de Macedo war die Tochter des Gouverneurs
der Azoreninsel Fayal. Aus dieser Ehe ist nur ein Kind bekannt, der Sohn
Martin.
Erbschaft in Nürnberg
Am 9. August 1490 kommt Behaim nach Nürnberg - wohl wegen der
Aufteilung des elterlichen Erbes nach dem Tod der Mutter Agnes im Jahre
1487. Es muß zwischen den erbberechtigten Geschwistern finanzielle
Streitereien gegeben haben, denn fünf Angehörige des Inneren
Rates wurden zur Schiedskommission bei diesem Erbstreit ernannt. Der Teilungsvertrag
des Vermögens kommt erst am 4. März 1491 zustande. Martin Behaim
beginnt sofort mit dem Verkauf seiner Liegenschaften, die ihm ein beachtliches
Vermögen einbringen. 1493 kehrt er, nach 3 Jahren Aufenthalt in Nürnberg,
nach Portugal zurück, entweder nach Lissabon (wie aus einem Brief
vom 1. März 1494 hervorgeht) oder auf die Azoren (wie die Inschrift
auf dem Globus angibt).
Behaims letzte Lebensjahre
1494 geriet Behaim auf einer Reise nach Flandern mit seinem Diener
und der Reisekasse in Gefangenschaft und wurde nach England gebracht. Obwohl
er dort schwer erkrankte, konnte er nach Frankreich entkommen. Bis zu seinem
Tod in Portugal gibt es nur noch eine einzige schriftliche Quelle, einen
Brief vom 11. März 1494, abgeschickt im Mai 1494 in Portugal.
Behaim starb am 29. Juli 1507 völlig verarmt im Hospital von Lissabon.
Nach dem Tod seines Schwiegervaters Jobst van Hurten und des portugiesischen
Königs Johann II. muß er bei Hofe in Ungnade gefallen sein.
Außerdem war wohl auch das Verhältnis zu seiner Frau zerrüttet,
was aus ihrer Affäre mit dem Oberprokurator der Gefangenen auf der
Insel Fayal zu schließen ist. Dieser kam wegen Ehebruchs in Haft,
woraus sich ein Machtkampf zwischen dessen einflußreicher Familie
und Behaim entwickelt hatte.
Von 1518 bis 1520 bemühte sich der Nürnberger Zweig der Familie
Behaim, den Sohn Behaims nach Nürnberg zu holen. Er sprach ausschließlich
Portugiesisch, blieb nur für 2 Jahre in Nürnberg und stiftete
Totenleuchter und Schild für die Kirche des Katharinenklosters. Dort
lebten zwei Schwestern seines Vaters als Nonnen.
Der Globus
In den drei Jahren von 1490 bis 1493, in denen sich Martin Behaim wegen
seiner Erbschaft in Nürnberg aufhielt, wurde unter seiner Leitung
der berühmte Globus angefertigt. Er ist in der Tat die älteste
erhaltene Darstellung der Erde in Kugelgestalt. Aber belegt ist, daß
schon 15 Jahre vor ihm in Rom im Auftrag des Papstes Globen angefertigt
wurden. Auch in religiösen Schriften wird schon seit dem 11. Jahrhundert
die Erde als Apfel (= rund) bezeichnet; die Kirche lehnte nicht die Kugelgestalt
der Erde ab, sondern lediglich die Existenz von Antipoden, d.h. von Menschen,
die von uns aus gesehen auf dem Kopf stehend leben müßten.
Herstellung des Globus
Behaim trug seine Idee vom Globus den Ratsherren Volckamer und Holzschuhen
an. Unter der Protektion von Holzschuhen übernahm der Rat der Stadt
die erheblichen Kosten der Herstellung. Behaim fertigte den Globus nicht
selbst, sondern gab nur die nötigen Arbeitsanweisungen an die ausführenden
Handwerker.
- Ein Glockengießer fertigte zunächst eine Lehmkugel, die
mit Leim getränktem Leinen ummantelt wurde.
- Nach dem Trocknen wurde die Kugel in zwei Hälften zerschnitten
und der Lehmkern entfernt. An den Rand einer Halbkugel wurde ein Holzreifen
so befestigt, daß er zur Hälfte herausragte.
- Daran wurde mit Holzstiften die zweite Kugelhälfte befestigt.
- Auf diese Kugel wurden einige Papierschichten geleimt.
- Danach bekam die Kugel einen Überzug aus kräftigem Leder
in acht Einzelteilen, die zusammengenäht wurden.
- Zuletzt wurde eine Papierschicht aufgeklebt. - Diese letzte Schicht
wurde dann bemalt.
Georg Glockendon, ein Zeichner und Miniaturenmaler, wurde mit der Bemalung beauftragt, wozu er mit Unterstützung seiner Frau 15 Wochen benötigte. Die Rechnungen wurden vom Rat bezahlt.
Der westliche
Seeweg nach Indien und der Behaim-Globus
Die Idee einer Westfahrt lag Ende des 15. Jahrhunderts in der Luft.
Auch Behaim dachte an eine Westfahrt, weit hinaus über Inseln wie
die Kanaren, Madeira, die Azoren und die Kapverden.
Auch die Nürnberger Ratsherren waren an dieser Idee interessiert.
Mit dem Globus sollte der mögliche wirtschaftliche Erfolg einer derartigen
Fahrt nach Indien bzw. China (Cathai) den Patriziern der Stadt sichtbar
gemacht werden. Die Inschriften auf dem Globus belegen diese wirtschaftlichen
Motive:
"... do wachst viel mancherly Speceri, das holz Aloe, ... ist allerlei
Specery and gewürtz do wachst moscat ..." (am Äquator bei Afrika),
"... findt man vil Edelgestains Perlein oriental..." (auf Ceylons oder
N... wachsen die Muscatt, Zimeth, Negel vast vil auch findt daselbst
Wäldt von lauter Sandelholz und von allerlei Spezerei. 1n diesen Inseln
wachsen vit Rubin. Smarackhen, Topassen und Saffiren, auch Perlein Qriental
fast vi! ...N (südlich von Indien).
Selbst nach der Entdeckung Amerikas blieb der Behaim-Globus zunächst
noch gültig. Als im März 1493 Columbus von seiner ersten Entdeckungsreise
zurückkehrte, war dies wenige Wochen später in Nürnberg
bekannt. Die Nachricht fand aber zunächst keine besondere Aufmerksamkeit.
Colum-bus` Entdeckung war für die Zeitgenossen nur eine unter vielen.
Laufend kamen Nachrichten, daß neue Menschen auf neuen Inseln entdeckt
wurden. Erst durch die Publikationen Amerigo Vespuccis wurde das Ausmaß
dieser Entdeckungen bewußt - ein ganzer Kontinent war entdeckt worden.
Der Behaim Globus ist somit die letzte Dokumentation des Bildes von der
Erde vor der Entdeckung Amerikas.
Selbst nach damaligem Kenntnisstand weist der Globus nicht nur außerhalb
Europas Fehler auf, sondern auch auf dem europäischen Festland. Die
Richtung einiger Flüsse und der Verlauf der deutschen
Küste stimmen nicht. Nur Lissabon, Paris, Rom, Venedig liegen
richtig. Auch die Küste Westafrikas, die Behaim selbst befahren haben
will, ist fehlerhaft dargestellt. So liegt die Kongomündung 18 Grad
zu weit im Süden. Auch die Azoren, wo Behaim gelebt hat, haben einen
falschen Umriß und auch der Text, hier wachse der Zucker Portugals,
ist falsch, denn die Zuckerinsel Portugals war Madeira. Zum Klima macht
er falsche Angaben. Er schreibt, nördlich des südlichen Wendekreises
sei Sommer, wenn in Europa unter ist. Auch übernimmt er die Legende
des sogenannten "Äquatorialterror", im Süden nähme die Hitze
so zu, daß alles verbrennen würde, daß der Kompaß
nicht mehr funktioniere und man den Jakobsstab einsetzen müsse. (Aus
dieser Furcht heraus hat wohl auch Columbus nie den Äquator überquert.)
Behaim weist teilweise die Quellen seiner Texte auf dem Globus aus: Plinius,
Strabo, Ptolemöus und Marco Polo.
1510 bekam der Globus das heutige Metallgestell. Bis Anfang des 17.
Jahrhunderts stand der Globus im Rathaus. Dann wurde er der Familie Behaim
übergeben. Dort wurde er auf dem Speicher 1823 wiederentdeckt. Seit
1906 steht er als Leihgabe im Germanischen Nationalmuseum. Als ihn die
Familie Behaim in die USA verkaufen wollte, wurde er 1937 von Reichskanzler
Adolf Hitler und dem Nürnberger Oberbürgermeister Liebel angekauft
und dem Museum endgültig übergeben.
Das
Behaim-Bild bei seinen Nürnberger Zeitgenossen
Die wenigen Quellen über Martin Behaim finden sich in Nürnberg
vor allem in Schuldbüchern und Strafakten. Als er z. B. 1483 in Nürnberg
war, wurde er am 1. März zu einer Arreststrafe verurteilt, weil er
in der Fastenzeit auf einer jüdischen Hochzeit getanzt hatte. Es wurde
ihm Strafaufschub gewährt, und es ist nicht bekannt, ob er den Arrest
antrat.
1484 hatte er von den Nürnberger Kaufleuten Hirschvogel und Schlewitzer
Handelsgut übernommen (u.a. 9 Säcke Galläpfel zur Tintenherstellung),
das er nicht bezahlte, sondern nur in einem Schuldbrief bestätigte.
Da dies offensichtlich für seine Nürnberger Familie peinlich
war, bezahlten seine Geschwister und sein Vormund diese Schuld am 13. Februar
1484. Behaim zahlte den Betrag erst 6 Jahre später zurück.
Aktenkundig wurden auch Schulden, die seine Geschwister 1485 und 1491
bezahlten. 1490 wurde Behaim auf die Bezahlung von Dienstboten verklagt.
Wie auch die Erbstreitigkeiten , die erst am 4. März 1491 geregelt
wurden, zeigen, war das Verhältnis der Geschwister Behaim zu ihrem
Bruder Martin äußerst distanziert. In dieser Zeit der langwierigen
Auseinandersetzungen mußten sie auch noch dessen Schulden bezahlen.
Behaim -
Schüler des berühmten Mathematikers Regiomontan?
Humboldt übernimmt noch 1836 die These, Martin Behaim sei als
Tuchhändler in Venedig, Antwerpen, Wien und Lissabon gewesen und dann
in Nürnberg bei Regiomontan in die Lehre gegangen. Auch Ghillany,
Direktor der Nürnberger Stadtbibliothek, schreibt 1850, Behaim und
damit die deutsche Wissenschaft habe die Grundlage für den Erfolg
der Portugiesen geliefert, denn Behaim habe dank Regiomontan das Astrolab
für die Seefahrt erfunden.
Wahrscheinlicher dagegen ist, daß Behaim das von Regiomontan
verbesserte Astrolab in die portugiesische Seefahrt eingeführt hat,
da man damit genauer arbeiten konnte als mit den hölzernen Astrolabien.
Jedenfalls genossen zu dieser Zeit die wissenschaftlichen Geräte aus
Nürnberg Weltruf.
Eine portugiesische Quelle erwähnt 30 Jahre nach seinem Tod, Behaim
habe die Kunst, nach der Sonnenhöhe zu navigieren, entwickelt. Fest
steht dagegen, daß die nautischen Tabellen in Portugal wie auch in
Spanien nicht auf Regiomontan - und damit auch keinesfalls auf Behaim -
zurückgingen, sondern von einem arabischen Wissenschaftler stammten.
Außerdem ist sicher, daß Regiomontan in Nürnberg nie Schüler
unterrichtete und bereits 1470 in Rom starb.
Auch die nautischen Fähigkeiten Behaims waren wahrscheinlich so
gering - was die falschen Beschriftungen auf dem Globus stützen -
, daß er niemals astronomisch-nautischer Berater oder gar Befehlshaber
eines Schiffes gewesen sein kann, wie man behauptete. Es gibt auch keinerlei
Erwähnung eines Wissenschaftlers Behaim in portugiesischen Quellen.
Behaim - Entdecker
der Kongomündung?
Immer wieder behaupten Biographen, Behaim habe die Azoreninsel Fayal
und danach Amerika entdeckt, er sei bis zur Magellanstraße gekommen
und auch ein Berater des Columbus gewesen. Auf dem Globus behauptet Behaim,
1485 in der Kongomündung gewesen zu sein. Auf jeden Fall muß
er die auf dem Globus vermerkte Afrikareise zwischen 1484 und dem 18. Februar
1485 gemacht haben, da er dann in Portugal zum Ritter geschlagen wurde.
Die Reise hat er an zwei Stellen auf dem Globus vermerkt, auch in der Schedelschen
Weltchronik wird sie erwähnt, wobei die Jahreszahlen differieren.
An der ersten Afrikareise des Diego Cao vom Frühjahr 1482 bis
Ende 1483, bei der die Kongomündung entdeckt wurde und auf der Behaim
2. Kapitän gewesen sein soll, hat Behaim mit Sicherheit nicht teilgenommen.
Er nahm auch an der zweiten Fahrt von März bis September 1485 nicht
teil, sonst wäre sein Name auf dem Stein an der Kongomündung
vermerkt. Wahrscheinlich aber war Behaim bei der Fahrt eines anderen Portugiesen
von 1484 bis 1485 zur Guineaküste und dem westafrikanischen Königreich
Benin dabei, von wo man eine neuentdeckte Pfefferart mitbrachte. Es waren
offensichtlich seine Interessen am Gewürzhandel, die Behaim für
Entdeckungsfahrten motivierten - die Portugiesen hatten bereits Afrika
als Gewürzlieferanten entdeckt.
Behaim
- Ritter des Christusordens und Mitglied der Junta do Mathematicos?
Nach der Rückkehr von seiner Afrikareise wurde Behaim am 18. Februar
1485 vom portugiesischen König Johann II. zum Ritter geschlagen. Darin
wurde lange Zeit eine Aufnahme in den berühmten portugiesischen Christusorden
gesehen, deren Ritter Nachfolger des Templerordens waren. Belegt ist jedoch
nur der einfache Ritterschlag.
Auf Behaims Totenleuchter in der Katharinenkirche sieht man den knieenden
Martin Behaim weder mit der Ordenskette um den Hals, noch ist das Zeichen
des Christusordens in seinem Wappen aufgenommen - was bei einer so wichtigen
Auszeichnung üblich gewesen wäre. Der Ritterschlag durch
den König erfolgte entweder wegen seiner Fahrt an die westafrikanische
Küste, oder es war eine Geste wegen seiner Einheirat in den portugiesischen
Hofadel.
Daß Behaim Mitglied der geheimen Junta do Mathematicos war, ist
nicht zu belegen. Jedenfalls ist nicht auszuschließen, daß
er in irgendeiner Weise mit der Junta zu tun hatte. Man kann unterstellen,
daß sich Behaim vielleicht selbst als Schüler des Regiomontan
bei der Junta eingeführt hat, was man in Lissabon nicht nachprüfen
konnte, da Regiomontan ja schon 1470 in Rom gestorben war.
Sicherlich ist er aber am Hofe mit Columbus bei dessen Besuch in Lissabon
zusammengetroffen.
Das Behaim-Bild im 19. Jahrhundert
Die Wiederentdeckung des Globus 1823 auf dem Speicher der Familie Behaim
fiel in eine Zeit der Rückbesinnung auf das deutsche Mittelalter.
Da-mals wurde der Globus erstmals, wenn auch unzureichend, restauriert.
1847 wurde die "Pariser Kopie" für die französische Bibliotheque
Nationale angefertigt. Sie war lange Zeit das einzige für die Forschung
zugängliche Exemplar.
Zum nationaldeutschen "Sängerfest", das 1861 in Nürnberg
inszeniert wurde, brachte man an den Geburtshäusern berühmter
Nürnberger großformatigen Bilderschmuck an. An Behaims Geburtshaus
am Hauptmarkt wurde eine dreigeteilte
Darstellung installiert:
I. Behaim sitzt in der Studierstube vor seinem Globus
II. Behaim empfängt im Hafen von Lissabon seinen Freund Columbus
III. König Johann II. von Portugal überreicht Behaim die
Ordenskette des Christusordens.
Bereits 1884 hatte der 1. Bürgermeister Otto Freiherr von Stromer
mit der Planung und dem Entwurf eines Behaim-Denkmals begonnen, das 1890
feierlich enthüllt wurde. Um die Ähnlichkeit zu gewährleisten,
stellte die Familie Behaim ein Porträt zur Verfügung (heute verloren).
Das Bronzedenkmal zeigt Martin Behaim als Ritter des Christusordens,
mit Langhaarfrisur, in Harnisch und Mantel und mit dem Ordenskreuz. Die
rechte Hand mit der Zeichenfeder liegt auf dem Globus, die linke am Schwert.
Auf dem Sockel sitzen zwei weibliche allegorische Figuren. Die eine ist
das Sinnbild der exakten Wissenschaften mit aufgeschlagenem Buch (sichtbar
ein Astrolab und der Name Regiomontan). Die andere Figur ist die Allegorie
des Handels. (Die Abbildung auf dieser Seite zeigt das Denkmal spiegelverkehrt.)
Anläßlich der Denkmalsenthüllung wurde die Fassade
des Geburtshauses mit einem historisierenden Fresko bemalt. Dabei diente
die Dekoration zum Sängerfest von 1861 als Vorlage.
Diese Ereignisse fielen in die Zeit der Entwicklung Nürnbergs
hin zur industriellen Großstadt. Mit einer Reihe von Denkmälern,
historisierenden Gemälden und Fassadenschmuck bedachte man auch die
anderen berühmten Nürnberger, um an die "große Vergangenheit"
anzuknüpfen.
Das Behaim-Bild im Nationalsozialismus
Nicht zufällig wird 1937 der Globus von Reichskanzler Hitler und
OB Liebel angekauft und endgültig dem Germanischen Nationalmuseum
übergeben. Die NS-Ideologie vereinnahmt die ehemalige freie Reichsstadt
Nürnberg als "Stadt der Reichsparteitage", und Martin Behaim wird
zum deutschen Kolonialpionier gemacht. Man behauptet, auf seiner Kongoexpedition
habe Behaim als erster Deutscher diejenige Küste gesehen, an der 400
Jahre später die deutsche Kolonialgeschichte durch den Großkaufmann
Lüderitz ihren Anfang fand.
Seit 1936 setzt eine Flut kolonialistischer Literatur ein, die sich
wegen ihres Bezuges auf afrikanische Gebiete immer wieder mit Behaim befaßt.
1937 wird unter Generaldirektor Kohlhaußen im Germanischen Nationalmuseum
die Ausstellung "Nürnberg, die deutsche Stadt", mit dem gerade angekauften
Globus im Mittelpunkt, eröffnet.
Noch 1943 wird der Globus trotz beginnender, kriegsbedingter Knappheit
technischer Mittel umfassend fotografisch dokumentiert.
Das aktuelle Behaim-Bild
Der zum Entdecker, Seefahrer und Wissenschaftler hochstilisierte Behaim
wird erst seit einigen Jahren nüchterner gesehen.
Nach heutiger Erkenntnis war Behaim ein findiger Kaufmann, der hauptsächlich
weder Nautiker noch Astronom war, und dessen Interesse an der Kartographie
vor allem wirtschaftlichen Zwecken diente, da er auf Gewinne aus Fahrten
in ferne Länder hoffte.
Information anläßlich der Ausstellung FOCUS BEHAIM GLOBUS herausgegeben vom Kunstpädagogischen Zentrum im GNM, Abteilung I
Der älteste erhaltene Erdglobus und auch die Entdeckung Amerikas
haben in diesem Jahr (1992 - Red.) ihren 500. Jahrestag. Im Mittelpunkt
der Ausstellung "FOCUS BEHAIM GLOBUS" steht zwar dieser Globus, die Ausstellung
geht aber weit darüber hinaus und zeigt den Wandel des Weltbildes
und die Folgen über viele Jahrhunderte.
Die Daten zu Biographie und Werk Martin Behaims sind sehr spärlich,
sowohl in den Quellen seiner Nürnberger Heimatstadt, als auch in Portugal.
Gerade deswegen wird sein Werk seit 500 Jahren verschieden gedeutet, jeweils
entsprechend den Absichten der eigenen Zeit, unabhängig von der historischen
Person.
MARTIN BEHAIM
Nürnberg 6. Oktober 1459 - 29. Juli 1507 Lissabon
Der Text zu dieser Broschüre basiert auch auf dem aktuellen Buch
von Peter J. Bräunlein: Martin Behaim. Legende und Wirklichkeit eines
berühmten Nürnbergers-Bayerische Verlagsanstalt, Bamberg 1992,
DM 48,--
Information anläßlich der Ausstellung FOCUS BEHAIM GLOBUS
herausgegeben vom Kunstpädagogischen Zentrum im GNM, Abteilung I
Herausgeber: Kunstpädagogisches Zentrum im Germanischen Nationalmuseum
Nürnberg KP I (Abteilung Schulen und Jugendliche)
Verantwortlich: Horst Henschel
Text und Bildredaktion: Elfie Albert
Satz und Realisierung: Wolfgang Sachße und Pamela Straube
© 1992 by KpZ
Mit freundlicher Genehmigung des
Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrums
der Museen in Nürnberg,
Karthäusergasse 1
90402 Nürnberg
Verantwortlich: Dr. Brehm