Am Vormittag stand für den Geographie-Kurs eine Führung zum Thema „Wirtschaftsstandort Frankfurt“ auf dem Programm. An vielen Stationen erleben wir von den Anfängen der ersten Bank und Messe bis hin zu den modernen Hochhäusern der Großbanken die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Auch typische stadtgeographische Aspekte wie die Entwicklung von einer autogerechten Stadt hin zu kurzen Wegen und mehr Grünflächen können wir in der Realität beobachten. Auch die Messe Frankfurt spielt eine entscheidende Rolle für die Wirtschaft der Stadt. Messen bringen Gäste aus aller Welt in die Stadt und sichern Arbeitsplätze im Hotel- und Dienstleistungssektor. Uns wurde klar: Frankfurt ist nicht nur Bankenstadt, sondern ein global vernetzter Wirtschaftsstandort. Interessanter Nebenaspekt für uns Geographen: Seit die historische Altstadt rund um den Römer wieder eröffnet wurde (erst 2018!) hat sich die Übernachtungsdauer in Frankfurt deutlich erhöht.
Die Wirtschaftskurse dagegen beginnen den Tag in der Europäische Zentralbank. Sie steuert die Geldpolitik im Euroraum. In ihrem imposanten Gebäude diskutierten wir über Inflation, Leitzinsen und die Frage, wie Geldpolitik unser alltägliches Leben beeinflusst – vom Sparbuch bis zum Immobilienkredit.
Am Nachmittag wechselten wir die Perspektive. Thema war nun die soziale Entwicklung der Stadt, insbesondere im Bahnhofsviertel, das deutschlandweit als sozialer Brennpunkt bekannt. Drogenprobleme, Armut und Kriminalität sind hier allgegenwärtig. Inzwischen ziehen aber immer mehr Start-ups, Kreative und wohlhabende Bewohner hierher. Dieser Prozess wird als Gentrifizierung bezeichnet: Durch Sanierungen und steigende Mieten werden einkommensschwächere Bewohner zunehmend verdrängt. Besonders eindrücklich war der Kontrast zwischen Luxusapartments und sozialen Einrichtungen für Obdachlose und Suchtkranke – nur wenige Straßen voneinander entfernt.
Frankfurt zeigte uns zwei Gesichter: das glänzende der Banken und Hochhäuser – und das nachdenklich stimmende der sozialen Gegensätze. Genau diese Spannung machte die Exkursion so lehrreich.
A. Roser